20 Tauchlustige, ein altes Holzschiff, 7 Tage. Was soll da schon schiefgehen…

Bodul_Kroatien_2026_Gruppenbild

Gruppenbild mit Tauchern: Zum dritten Mal ging unsere Vereinsausfahrt nach Kroatien – auf die Bodul und mit ihr von Trogir aus in die vorgelagerte Inselwelt. Interessante Tauchsports gab’s auch in diesem Jahr genug.

von Maxine Higgins (Maxi)

Tagesrhythmus an Bord: Frühstück ab 8, Mittagessen um 12, Abendessen gemeinsam um 19 Uhr. Dazwischen: Tauchen, Blei schleppen, Sonne tanken.

Tag 0 – Anreise
Ein Großteil unserer Gruppe reiste schon am Freitag an und übernachtete in einem kleinen Hotel direkt am Hafen von Trogir. Die letzte Nacht in einem Bett, das nicht schaukelt.

Tag 1 – Gepäck-Parkour und die erste Grotte
Nach dem Frühstück ging es zum Schiff. Die Bodul lag bereits im Hafen, allerdings in fünfter Reihe geparkt. Unser Gepäck musste also über vier fremde Schiffe und Yachten balanciert werden. Ein Krafttraining um acht Uhr morgens, das kein Fitnessstudio der Welt so hinbekommt.

Wer mit dem Auto gekommen war, lud an einer anderen Anlegestelle aus und brachte den Wagen ins Parkhaus. Dann nahm die Bodul auch den Rest von uns an Bord, und es ging direkt zum ersten Ziel. Während der Fahrt wurde die Ausrüstung zusammengebaut, verteilt und irgendwo verstaut und jeder machte Bekanntschaft mit seiner Kabine, die ungefähr die Größe eines großzügigen Kleiderschranks hatte.

Am ersten Tauchspot wartete gleich eine tiefe Grotte. Für einen Check-Out Dive durchaus ambitioniert, aber alle waren begeistert. Auf 40 Meter ging es hinab und dort unten gab es genau das, was Marino vorher angekündigt hatte: Sand. Sehr viel Sand. Man muss ihm lassen: Er hatte nicht zu viel versprochen.

Beim anschließenden Entspannen an Deck steuerte Marino schon den nächsten Spot an. Und dann kam der Moment, den es auf jeder Tour gibt: das große Blei-Umverteilen. Die einen brauchten mehr, die anderen weniger, manche wussten es einfach nicht. Getestet wurde beim zweiten Tauchgang des Tages.

Am Abend wurde nett geplaudert, aber nicht lange. Der Tag steckte allen in den Knochen, und die Kojen füllten sich früh.

Tag 2 – Canyon, Gorgonien und ein bisschen Höhlenluft schnuppern
Nachdem alle ausgeschlafen und satt waren, ging es in die Tiefe. Der erste Tauchgang am Tauchplatz Kampanel führte uns auf 40 Meter durch einen Canyon und ein „Loch“. Rote Gorgonien in voller Pracht, und die ein oder andere Muräne ließ sich blicken, meist mit dem Gesichtsausdruck von jemandem, der gerade beim Mittagsschlaf gestört wurde.

Der zweite Tauchgang war deutlich entspannter: maximal 20 Meter, dafür viele kleine Höhlen. Perfekt, um mal zu schnuppern, wie es sich anfühlt, in die Dunkelheit zu blicken und die Decke über dem Kopf zu haben – ohne dabei tatsächlich in die Verlegenheit zu kommen, mutig sein zu müssen.

Tag 3 – Zu Besuch bei den Römern
Am Morgen wurden die Amphoren angesteuert. Es ging am Seil auf über 40 Meter hinunter, und später ebenso wieder hinauf.

Bevor wir abtauchten, erzählte Marino die Geschichte dazu: Er hatte die Amphoren selbst entdeckt und kurzerhand einen Käfig darüber gebaut, damit sie niemand mitnimmt. Gemeldet hat er den Fund natürlich auch, und die Untersuchung ergab, dass die Stücke aus der Zeit zwischen dem 1. Jahrhundert vor und dem 1. Jahrhundert nach Christus stammen. Eine echte archäologische Fundstätte und einer der wenigen Orte, an denen man beim Tauchen versehentlich zum Geschichtsunterricht kommt.

Der Käfig hat übrigens einen praktischen Nebeneffekt: Große Raubfische kommen nicht durch. Entsprechend hat sich dort unten eine ganze Wohngemeinschaft eingerichtet: Muränen, Langusten, Drachenköpfe und, leider, auch Rotfeuerfische.

Der Tag endete dann allerdings nicht an Bord, sondern an Land: Marino lud uns in seine eigene Bucht ein, wo er ein kleines Haus hat. Es gab Lamm und Gemüse vom Grill mit einem hervorragenden Salat – und die einhellige Meinung, dass man nach 40 Metern Tiefe nichts so sehr verdient hat wie genau das.

Marino, der Katzenflüsterer

Marino liebt seine Katzen über alles, allen voran Ninja – offiziell der Rattenfänger des Hauses, inoffiziell klarer Lieblingskater. Eine Streunerkatze, die mal auf dem Schiff landete, wurde kurzerhand adoptiert. Familienzuwachs, quasi ungeplant.

Und dann die Überraschung der Woche: Der Mann, dem man nachsagt, Veganer nicht zu mögen, probierte die vegane Bolognese unseres Kochs und war restlos begeistert: „Das ist besser als mit Fleisch.“

Tag 4 – Eine kleine Geschichtsreise
Am Morgen des vierten Tages erfuhren wir, dass es heute gleich zweimal richtig tief hinuntergeht. Zwei Wracks, die Vorfreude war entsprechend groß.

Zuerst ging es auf 30 bis 40 Meter zu einem amerikanischen Bomber, der im Zweiten Weltkrieg abgestürzt ist. Und das Beste: In diesem Jahr gab es nicht den Hauch einer Strömung. Alle kamen entspannt und ohne Anstrengung wieder an Bord. Ein Luxus, den erfahrene Bodul-Fahrer zu schätzen wissen.

Der zweite Tauchgang führte zu einem alten Passagierschiff. Gebaut 1909, gesunken 1930, nach einem Steuerfehler des Kapitäns. Das Schiff ist so gewaltig, dass es sich bis auf 65 Meter Tiefe erstreckt. Man taucht daran entlang und wird das Gefühl nicht los, dass da unten noch jemand sehr viel Papierkram hinterlassen hat.

Nach so einem erfolgreichen Wrack-Tag waren alle platt, aber zufrieden. Am Abend wurde gequatscht und gespielt, mehr brauchte es nicht.

Tag 5 – Kleiner Hafen, teure Cocktails
Nach der Wrack-Doppelschicht vom Vortag stand Tag 5 ganz im Zeichen der Erholung. Ein kleiner Landgang wurde genutzt, um Kaktusfeigen zu sammeln, wobei der ein oder andere feststellen musste, dass Kaktusfeigen ihren Namen nicht ohne Grund tragen. Die Stacheln begleiteten einige über den Tag.

Direkt am Anleger lockte eine kleine Cocktailbar. Die Begeisterung war groß. Bis wir die Preise gesehen haben. Danach war die Begeisterung für die Getränke an Bord der Bodul plötzlich noch viel größer.

Am Abend stand ein Nachttauchgang auf dem Programm, bei dem Oktopoden und viele Seesterne unterwegs waren. Und auch über Wasser lohnte sich der Blick: Die Milchstraße erstreckte sich über den klaren Nachthimmel.

Der eigentliche Höhepunkt des Tages fand allerdings an Deck statt. In großer Runde wurde UNO No Mercy gespielt. Die Neulinge wurden dabei zuverlässig traumatisiert und durften immer und immer wieder in die Runde einsteigen. Ganz so, wie es der Name verspricht. Gelacht wurde trotzdem viel. Oder gerade deswegen.

Tag 6 – Amphoren, Teil zwei: Wo ist das Schiff?
Auch Tag 6 ging es entspannt an. Auf dem Programm standen weitere Amphoren, der Tauchgang selbst war angenehm, die eigentliche Herausforderung kam danach: die Bodul unter Wasser wiederzufinden. Die einen mussten die Boje setzen, die anderen standen kurz davor. Am Ende haben alle zurückgefunden, was das Wichtigste ist.

Danach folgte noch ein entspannter Tauchgang, bevor es in den letzten Hafen der Reise ging. Dort wurde wieder fleißig gespielt und die Woche in Ruhe durchgesprochen: Was haben wir gesehen, was war der beste Tauchgang, und wer hatte eigentlich zu viel Blei dabei.

Tag 7 – Abschied um 6:30 Uhr
Der letzte Tag begann früh. Um halb sieben gab es noch ein schönes Frühstück an Bord, danach ging alles überraschend schnell: Gepäck runter, gedrückt, verabschiedet. Wobei sich das Verabschieden relativiert, viele sahen sich schon am Mittwoch beim Training wieder.

Am Samstagabend waren die meisten wieder daheim, im Gepäck viele schöne Erinnerungen und dieses vertraute Schwanken, das noch tagelang nicht aufhören will. Einige haben die Gelegenheit genutzt und noch Urlaub drangehängt, um Kroatien weiter zu erkunden.

Danke an alle, die dabei waren, an alle, die das Ganze organisiert haben, und natürlich an die Crew der Bodul! Wir sehen uns in zwei Jahren wieder.